Kaum eine biblische Gestalt ist so gegensätzlich gedeutet worden wie Maria Magdalena: als Sünderin und Heilige, als Vertraute, ja Geliebte Jesu und als erste Zeugin des Ostermorgens. Der Essay richtet den Blick auf einen früheren Moment. In den Erzählungen vom Karfreitag erscheint Maria Magdalena als eine Frau ohne Stimme, an einem Ort, an dem alle Hoffnung zerbricht. Es lohnt sich, von hier aus die späteren Deutungen dieser Frau zu verfolgen. Und zu fragen, was ihre Präsenz unter dem Kreuz für heute bedeuten könnte. Für eine Zeit, die das Schweigen schwer aushält.