Gerechtigkeit schaffen: Österreichs erste Oberstaatsanwältin
Juristinnen wurden in den 1960er Jahren in Tilgungsabteilungen oder Gerichten am Land versteckt, erinnert sich Liane Kleifel. Als sie von ihrem Mentor mit 23 Jahren in Verhandlungen geschickt wurde, hieß es: Der öffentliche Ankläger muss ein Mann sein, der Angeklagte wird sich doch zu Tode lachen bei dem Mäderl. Das "Mäderl" blieb beharrlich und wurde 1965 Österreichs erste Staatsanwältin. Oder, wie eine Zeitung damals die Sensation betitelte: "Premiere für einen Staatsanwalt". Überhaupt schrieben die Gazetten gerne über ihren Lippenstift oder die Stöckelschuhe, wenn sie bei schweren Fällen vor Gericht die Anklage vertrat. Was sie mit Humor nahm, eine hilfreiche Eigenschaft zwischen Fan-Kiebitzen und männlichen Kollegen. Bis heute hält die bald 88-Jährige Vorträge über ihre Arbeit am Institut für Rechtswissenschaft der Universität Wien.
Gestaltung: Ulrike Schmitzer, Ute Maurnböck. Gesendet in Ö1 am 20. 04. 2026.